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You’ve Already Asked Me Questions

Reinhard Mey

Du Hast Mir Schon Fragen Gestellt

Du hast mir schon Fragen gestellt
Über „Gott und die Welt",
Und meist konnt' ich dir Antwort geben.
Doch jetzt bringst du mich aus dem Lot
Mit deiner Frage nach dem Tod
Und „was ist, wenn wir nicht mehr leben?"
Da muß ich passen, tut mir leid,
Niemand weiß da so recht Bescheid,
Solang es Menschen gibt auf Erden.
Ich stelle mir das Sterben vor
So wie ein großes, helles Tor,
Durch das wir einmal gehen werden.

Dahinter liegt der Quell des Lichts,
Oder das Meer, vielleicht auch nichts,
Vielleicht ein Park mit grünen Bänken,
Doch eh' nicht jemand wiederkehrt
Und mich eines Bess'ren belehrt,
Möcht' ich mir dort den Himmel denken.
Höher, als Wolkentürme steh'n,
Höher noch, als Luftstraßen geh'n,
Jets ihre weißen Bahnen schreiben
Jenseits der Grenzen unsrer Zeit,
Ein Raum der Schwerelosigkeit,
Ein guter Platz, um dort zu bleiben.

Fernab von Zwietracht, Angst und Leid,
In Frieden und Gelassenheit,
Weil wir nichts brauchen, nichts vermissen.
Und es ist tröstlich, wie ich find',
Die uns vorangegangen sind,
Und die wir lieben, dort zu wissen.
Und der Gedanke, irgendwann
Auch durch dies Tor zu geh'n, hat dann
Nichts Drohendes, er mahnt uns eben,
Jede Minute bis dahin,
Wie ein Geschenk, mit wachem Sinn,
In tiefen Zügen zu erleben.

You’ve Already Asked Me Questions

You’ve already asked me questions
About 'God and the world',
And most of the time I could answer you.
But now you’ve got me off balance
With your question about death
And 'what if we don’t live anymore?'
I have to pass, I’m sorry,
No one really knows for sure,
As long as there are people on Earth.
I imagine dying
Like a big, bright door,
Through which we will one day pass.

Behind it lies the source of light,
Or maybe the sea, perhaps nothing,
Maybe a park with green benches,
But until someone returns
And teaches me something better,
I’d like to think of heaven there.
Higher than towers of clouds,
Even higher than airways go,
Jets writing their white trails
Beyond the borders of our time,
A space of weightlessness,
A good place to stay.

Far from strife, fear, and pain,
In peace and tranquility,
Because we need nothing, miss nothing.
And it’s comforting, I find,
To know those who’ve gone before us,
And those we love, to be there.
And the thought of one day
Also passing through this door, has then
Nothing threatening, it reminds us,
Every minute until then,
Like a gift, with open minds,
To experience in deep breaths.

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