Nietzsche
I travelled through a land of men,
A land of men and women too,
And heard and saw such dreadful things
As cold earth wanderers never knew.
For there the babe is born in joy
That was begotten in dire woe,
Just as we reap in joy the fruit
Which we in bitter tears did sow;
And if the babe is born a boy
He’s given to a woman old,
Who nails him down upon a rock,
Catches his shrieks in cups of gold.
She binds iron thorns around his head,
And pierces both his hands and feet,
And cuts his heart out of his side
To make it feel both cold & heat.
Her fingers number every nerve
Just as a miser counts his gold;
She lives upon his shrieks and cries—
And she grows young as he grows old,
Till he becomes a bleeding youth
And she becomes a virgin bright;
Then he rends up his manacles
And pins her down for his delight.
He plants himself in all her nerves
Just as a husbandman his mould,
And she bcomes his dwelling-place
And garden, frutiful seventyfold.
An aged shadow soon he fades,
Wandering round and earthly cot,
Full filled all with gems and gold
Which he by industry had got.
And these are the gems of the human soul:
The rubies and pearls of a lovesick eye,
The countless gold of an aching heart,
The martyr’s groan, and the lover’s sigh.
They are his meat, they are his drink:
He feeds the beggar and the poor
And the wayfaring traveller;
For ever open is his door.
His grief is their eternal joy,
They make the roofs and walls to ring—
Till from the fire on the hearth
Alittle female babe does spring!
And she is all of solid fire
And gems and gold, that none his hand
Dares stretch to touch her baby form,
Or wrap her in his swaddling-band.
But she comes to the man she loves,
If young or old, or rich or poor;
They soon drive out the aged host,
A beggar at another’s door.
He wanders weeping far away
Until some other take him in;
Oft blind and age-bent, sore distressed,
Until he can a maiden win.
And to allay his freezing age
The poor man takes her in his arms:
The cottage fades before his sight,
The garden and its lovely charms;
The guests are scattered through the land
(For the eye altering, alters all);
The senses roll themselves in fear,
And the flat earth becomes a ball,
The stars, sun, moon, all shrink away—
A desert vast without a bound,
And nothing left to eat or drink
And a dark desert all around.
The honey of her infant lips,
The bread and wine of her sweet smile,
The wild game of her roving eye
Does him to infancy beguile.
For as he eats and drinks he grows
Younger and younger every day;
And on the desert wild they both
Wander in terror and dismay.
Like the wild stag she flees away;
Her fear plants many a thicket wild,
While he pursues her night and day,
By various arts of love beguiled.
By various arts of love and hate,
Till the wide desert planted o’er
With labyrinths of wayward love,
Where roams the lion, wolf and boar,
Till he becomes a wayward babe
And she a weeping woman old.
Then many a lover wanders here,
The sun and stars are nearer rolled,
The trees bring forth sweet ecstasy
To all who in the desert roam,
Till many a city there is built,
And many a pleasant shepherd’s home.
But when they find the frowning babe
Terror strikes through the region wide;
They cry, ‘The Babe! the Babe is born!’
And flee away on every side.
For who dare touch the frowning form
His arm is withered to its root,
Lions, boars, wolves, all howling flee
And every tree does shed its fruit;
And none can touch that frowning form,
Except it be a woman old;
She nails him down upon the rock,
And all is done as I have told
Nietzsche
Ich reiste durch ein Land der Menschen,
Ein Land von Männern und Frauen auch,
Und hörte und sah so schreckliche Dinge,
Wie sie kalte Erdwanderer nie kannten.
Denn dort wird das Kind in Freude geboren,
Das in schrecklicher Not empfangen wurde,
So wie wir in Freude die Frucht ernten,
Die wir in bitteren Tränen säten;
Und wenn das Kind ein Junge ist,
Wird er einer alten Frau gegeben,
Die ihn auf einen Stein nagelt,
Seine Schreie in goldenen Bechern fängt.
Sie bindet eiserne Dornen um seinen Kopf,
Und durchbohrt seine Hände und Füße,
Und schneidet sein Herz aus seiner Seite,
Damit es sowohl Kälte als auch Wärme spürt.
Ihre Finger zählen jeden Nerv,
So wie ein Geiziger sein Gold zählt;
Sie lebt von seinen Schreien und Klagen—
Und sie wird jung, während er alt wird,
Bis er ein blutender Jüngling wird
Und sie eine strahlende Jungfrau;
Dann zerreißt er seine Fesseln
Und fesselt sie zu seinem Vergnügen.
Er pflanzt sich in all ihre Nerven,
So wie ein Landwirt seinen Boden,
Und sie wird sein Wohnort
Und Garten, fruchtbar siebenfach.
Ein alter Schatten verblasst bald,
Umherirrend um die irdische Hütte,
Voll gefüllt mit Juwelen und Gold,
Die er durch Fleiß erlangt hat.
Und das sind die Juwelen der menschlichen Seele:
Die Rubine und Perlen eines verliebten Auges,
Das unzählige Gold eines schmerzenden Herzens,
Das Stöhnen des Märtyrers und das Seufzen des Liebenden.
Sie sind sein Essen, sie sind sein Trinken:
Er speist den Bettler und den Armen
Und den wandernden Reisenden;
Für immer steht seine Tür offen.
Sein Kummer ist ihre ewige Freude,
Sie lassen die Dächer und Wände erklingen—
Bis aus dem Feuer am Herd
Ein kleines Mädchen geboren wird!
Und sie ist ganz aus festem Feuer
Und Juwelen und Gold, dass niemand seine Hand
Wagt, ihre Kinderform zu berühren,
Oder sie in Windeln zu wickeln.
Aber sie kommt zu dem Mann, den sie liebt,
Ob jung oder alt, ob reich oder arm;
Sie vertreiben bald den alten Wirt,
Ein Bettler an einer anderen Tür.
Er wandert weinend weit weg,
Bis ihn jemand anders aufnimmt;
Oft blind und vom Alter gebeugt, voller Not,
Bis er ein Mädchen gewinnen kann.
Und um sein gefrierendes Alter zu mildern,
Nimmt der arme Mann sie in seine Arme:
Die Hütte verblasst vor seinen Augen,
Der Garten und seine schönen Reize;
Die Gäste sind durch das Land verstreut
(Denn das Auge, das sich verändert, verändert alles);
Die Sinne rollen sich in Angst,
Und die flache Erde wird zu einer Kugel,
Die Sterne, Sonne, Mond, alle schrumpfen weg—
Eine weite Wüste ohne Grenzen,
Und nichts mehr zu essen oder zu trinken
Und eine dunkle Wüste ringsum.
Der Honig ihrer kindlichen Lippen,
Das Brot und der Wein ihres süßen Lächelns,
Das Wildspiel ihres umherirrenden Auges
Verführt ihn zur Kindheit zurück.
Denn während er isst und trinkt, wird er
Jünger und jünger jeden Tag;
Und in der wilden Wüste wandern sie beide
In Angst und Schrecken umher.
Wie der wilde Hirsch flieht sie davon;
Ihre Angst pflanzt viele wilde Dickichte,
Während er sie Tag und Nacht verfolgt,
Durch verschiedene Künste der Liebe verführt.
Durch verschiedene Künste der Liebe und des Hasses,
Bis die weite Wüste bepflanzt ist
Mit Labyrinthen von eigensinniger Liebe,
Wo der Löwe, Wolf und Eber umherstreifen,
Bis er ein eigensinniges Kind wird
Und sie eine weinende alte Frau.
Dann wandern viele Liebende hier,
Die Sonne und die Sterne sind näher gerollt,
Die Bäume bringen süße Ekstase
Für alle, die in der Wüste umherirren,
Bis viele Städte dort gebaut werden,
Und viele angenehme Hirtenhäuser.
Aber wenn sie das finstere Kind finden,
Schreckt Terror durch die weite Region;
Sie rufen: 'Das Kind! Das Kind ist geboren!'
Und fliehen in alle Richtungen.
Denn wer wagt, die finstere Gestalt zu berühren,
Sein Arm verwelkt bis zur Wurzel,
Löwen, Eber, Wölfe, alle heulend fliehen
Und jeder Baum lässt seine Früchte fallen;
Und niemand kann diese finstere Gestalt berühren,
Es sei denn, es ist eine alte Frau;
Sie nagelt ihn auf den Stein,
Und alles geschieht, wie ich erzählt habe.