395px

ESPERANDO

Mey Reinhard

WARTEN

Ich stehe am Eingang zum Zoologischen Garten.
Ein Blick auf die Normaluhr: Es ist jetzt dreiviertel vier.
Ich habe ihr versprochen, dort um vier auf sie zu warten,
doch warten kann ich nicht, und darum steh' ich jetzt schon hier
mit einem Strauß von Rosen,
gebügelten Hosen,
geputzten Schuhen mit tiefschwarzem Glanz.
Die Zeit vergeht nicht,
vor Ungeduld tret' ich
von einem Bein auf 's and're wie ein Tanzbär.
Der Zeitungsmann gleich neben mir verkauft seine Schlagzeilen,
und leise sage ich sie schon auswendig vor mir her.
Ich kaue ein paar Erdnüsse und kauf' aus Langeweile,
wenn sie jetzt nicht bald kommt, noch eine Tüte mehr.
Seit drei Viertelstunden
zähl' ich die Sekunden,
seit drei Viertelstunden fliegt die Zeit an mir vorbei.
Durch die Pflastersteine
spür' ich meine Beine
Wurzeln schlagen so wie eine Eiche.
Der Zoo schließt seine Tore, die Kassierer zähl'n die Kassen,
der Zeitungsmann hat alle seine Zeitungen verkauft.
Ich weiß genau, sie kommt noch, ich kann mich auf sie verlassen.
Am Kiosk hab' ich rasch noch ein paar Erdnüsse gekauft.
Es fängt an zu regnen,
mit einem verweg'nen
Lächeln knöpfe ich meinen Mantel zu.
Seit ein paar Minuten
steh' ich in den Fluten,
und ich sehe aus wie ein Pinguin.
Die Blumen sind zerpflückt, ich hab' einen Schnupfen bekommen,
und grad verpasse ich die letzte Straßenbahn.
Es ist jetzt zehn vor eins, ich glaub', jetzt wird sie nicht mehr kommen;
ich werde geh'n, der Polizist sieht mich schon drohend an.
Morgen komm' ich wieder,
bring' statt Rosen Flieder,
vielleicht zieht sie Flieder den Rosen vor,
oder bring' Narzissen,
man kann ja nie wissen,
vielleicht kommt sie auch erst übermorgen
oder in zwei Wochen.
Ich hab' ihr versprochen,
am Zoo auf sie zu warten,
auf mich ist Verlaß.
Dann bring' ich ihr Nelken,
die nicht so schnell welken,
und danach nur noch Blumen aus Plastik.

ESPERANDO

Estoy parado en la entrada del Zoológico.
Un vistazo al reloj normal: ahora son las tres y tres cuartos.
Le prometí esperarla allí a las cuatro,
pero no puedo esperar, por eso ya estoy aquí
con un ramo de rosas,
pantalones planchados,
zapatos pulidos con un brillo negro profundo.
El tiempo no pasa,
impaciente, pateo
de un pie al otro como un oso bailarín.
El vendedor de periódicos al lado mío vende sus titulares,
y en voz baja ya los recito de memoria.
Mastico unos cacahuetes y compro por aburrimiento,
si ella no llega pronto, otro paquete más.
Desde hace tres cuartos de hora
cuento los segundos,
desde hace tres cuartos de hora el tiempo vuela frente a mí.
A través de las piedras del pavimento
siento mis piernas
aíces crecer como un roble.
El zoológico cierra sus puertas, los cajeros cuentan el dinero,
el vendedor de periódicos ha vendido todos sus periódicos.
Sé que vendrá, puedo confiar en ella.
En el quiosco rápidamente compré unos cacahuetes más.
Empieza a llover,
con una sonrisa atrevida
abrocho mi abrigo.
Desde hace unos minutos
estoy parado en las inundaciones,
y parezco un pingüino.
Las flores están deshojadas, me he resfriado,
y justo pierdo el último tranvía.
Son casi la una, creo que ya no vendrá;
me iré, el policía ya me mira amenazante.
Mañana volveré,
traeré lila en lugar de rosas,
quizás prefiera lila a las rosas,
o traeré narcisos,
uno nunca sabe,
tal vez venga pasado mañana
o en dos semanas.
Le prometí
esperarla en el zoológico,
puedo confiar en mí.
Entonces le traeré claveles,
que no se marchitan tan rápido,
y después solo flores de plástico.

Escrita por: