Neunzig Tagebücher
Der Mond ist voll und ich bin wach und müde zur gleichen Zeit
Meine Gedanken legen mühelos weite Strecken zurück
Die Musik ,von der ich träume klingt wie das Geräusch von jemand,
den Du liebst, der Dich verläßt und es ist nicht schlimm
& so sitze ich in einem Flugzeug am Fenster
viel näher noch am Mond
& über den silbernen Wolken
& ich erinner mich , wie ich
in meinem Zimmer lag
im Dunkeln
mit Kophförern auf
bis der Morgen kam
und alles an mir vorbeiziehen ließ
alles, was mir an Erinnerung schon zur Verfügung stand,
um mir daraus eine Zukunft vorzustellen
Es sind erst neunzig Tagebücher
Drei für jedes Jahr seit ich in Reimen denken kann
Ich bin noch jung und hab sie alle noch
in meinem Schreibtisch, im Regal
& in der Kiste
Ich wachte auf und war wieder neunzehn
Mir standen alle Wege offen
Ich wußte, diesmal mach ich alles richtig
Diesmal werd ich Dich gut behandeln
Diesmal werd ich mich nicht verzetteln
Und wenn ich geh, dann geh ich im Guten ...
Als ich Dich draußen traf warst Du so jung
& ich wurde so traurig
& das konnt ich Dir nicht erklären
& ich fühlte mich so allein, als ob ich Dich betrügen würde,
nur weil ich mehr wußte als Du
und wußte, warum
und dann mußte ich denken : ist das nicht immer so ?
( daß man jemand durch das Wissen, das man ihm voraus hat betrügt
und nicht durch das,was man tut - sofern man davon weiß )
Später haben wir gefickt in Deinem Bett
& Du sahst mich so an,
daß ich für einen Moment dachte,
Du merkst woher ich das plötzlich so klasse kann
( aber es war nur staunendes Verliebtsein,
durch das man ja ständig den Anderen neu sieht)
Ich sah Dir in die Augen, als ich Dich küßte
Du sahst mir in die Augen, als ich in Dich reinkam
Ich sah Dich kommen ( Ich hab es kommen sehn)
All die verpassten Chancen
All die Chancen, nichts zu verpassen
All die Jahre und Du
so einfach
so einfach
so verdammt kompliziert
Ich sag Deinen Namen
über und über und immer wieder
Ich rede über Dich
und verschwinde aus meinen konzentrischen Kreisen
Eine Blende aufs Meer
Eine lange ruhige Einstellung
& dann eine Fahrt nach links,
wo wir zwei sitzen und aufs Wasser rausgucken
Noventa Diarios
La luna está llena y estoy despierto y cansado al mismo tiempo
Mis pensamientos recorren fácilmente largas distancias
La música con la que sueño suena como el ruido de alguien
a quien amas, que te deja y no está mal
Y así me siento en un avión junto a la ventana
mucho más cerca de la luna
y sobre las nubes plateadas
y recuerdo cómo
estaba en mi habitación
en la oscuridad
con auriculares puestos
hasta que llegó la mañana
y todo pasó frente a mí
todo lo que ya recordaba
para imaginar un futuro
Son solo noventa diarios
Tres por cada año desde que puedo pensar en rimas
Todavía soy joven y los tengo todos
en mi escritorio, en el estante
y en la caja
Desperté y tenía diecinueve de nuevo
Todos los caminos estaban abiertos para mí
Sabía que esta vez lo haría todo bien
Esta vez te trataría bien
Esta vez no me perdería
Y cuando me vaya, me iré en buenos términos...
Cuando te vi afuera eras tan joven
y me puse tan triste
y no pude explicártelo
y me sentí tan solo, como si te estuviera engañando
solo porque sabía más que tú
y sabía por qué
y luego tuve que pensar: ¿no es siempre así?
(que uno engaña a alguien por el conocimiento que tiene por delante
y no por lo que hace, siempre y cuando sepa de ello)
Más tarde hicimos el amor en tu cama
y me miraste de una manera
que por un momento pensé
que notabas de dónde saqué de repente esa habilidad
(pero solo era asombroso enamoramiento,
que constantemente nos hace ver al otro de manera nueva)
Te miré a los ojos cuando te besé
Me miraste a los ojos cuando entré en ti
Vi que llegabas (sabía que iba a pasar)
Todas las oportunidades perdidas
Todas las oportunidades de no perder nada
Todos los años y tú
tan simple
tan simple
tan malditamente complicado
Digo tu nombre
una y otra vez y siempre
Hablo de ti
y desaparezco de mis círculos concéntricos
Un fundido a negro en el mar
Una larga y tranquila toma
y luego un giro a la izquierda,
donde ambos estamos sentados mirando hacia el agua