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Capinera
Aurelio Fierro
Kapinera
Capinera
Man nannte sie KapineraLa chiamavan Capinera
wegen ihrer schönen, schwarzen Locken,pei suoi ricci neri e belli,
immer war sie bei den Bubenstava sempre fra i monelli
auf der Straße den ganzen Tag.per la strada tutto il dì.
Barfuß und zerrissen an einem Abend,Scalza e lacera una sera,
ich wollte gerade nach Hause gehen,m'apprestavo a rincasar,
mit ihrem wächsernen Gesichtcol visino suo di cera
sah ich sie auf mich zukommen:me la vidi avvicinar:
"Gib mir einen Groschen, ich habe so viel Hunger""Dammi un soldo, ho tanta fame"
"Hast du deine Mama?" - "Die habe ich nicht.""Hai la mamma?" - "Non ce l'ho".
"Und deinen Papa, dein Zuhause?""E il tuo babbo, la tua casa?"
Und sie traurig: "Weiß ich nicht."E lei triste "Non lo so".
Ich spürte einen Stich im HerzenProvai una stretta al cuore
und an diesem Abende quella sera
nahm mein kleines Hausla mia casetta accolse
Kapinera auf.Capinera.
Und sie sang, sang fröhlich,E lei cantava, cantava giuliva,
von Trillern und Schreien erfüllte sie das Haus,di trilli e gridi la casa m'empiva,
und einen schönen Traum streichelte ich im Herzen.ed un bel sogno nel cuor carezzavo.
Ich betrachtete sie, vielleicht liebte ich sie.La contemplavo, forse l'amavo.
Sie wurde dreizehn Jahre alt.Tredici anni lei compiva.
Sie war nachdenklich geworden.S'era fatta pensierosa.
"Denkst du vielleicht an etwas, das dir fehlt?""Pensi forse a qualche cosa che ti manca?"
"Weiß ich nicht.""Non lo so".
Frühling,Primavera,
Sonne und Blumen.sole e fiori.
Kapinera ist immer da.Capinera è sempre là.
Sie schaut hinaus und beobachtet.Sta affacciata e guarda fuori.
"Was willst du?" - "Die Freiheit"."Cosa vuoi?" - "La libertà".
"Du hast kein Zuhause, keine Mama, wohin wirst du gehen?""Non hai casa, non hai mamma, dove andrai?"
Sie antwortete: "Ich werde gehen".Rispose: "Andrò".
Mit ihrer kleinen Hand zeigte sie mir den Horizont.Con la mano piccolina l'orizzonte m'insegnò.
Ich spürte einen Stich im Herzen,Provai una stretta al cuore
bis eines Abendsfinchè una sera
ich Kapinerapiù non trovai a casa
nicht mehr zu Hause fand.Capinera.
Von Trillern und SchreienDi trilli e gridi
füllte das Haus mich.la casa m'empiva.
Ich betrachtete sie,La contemplavo,
vielleicht liebte ich sie.forse l'amavo.
Es war an einem Januarmorgen,Fu in un'alba di Gennaio,
nach dem Rausch kam ich nach Hause,dopo l'orgia rincasavo,
es schneite und ich beeilte mich,nevicava e m'affrettavo
schon die Tür zu öffnen.già ad aprire il mio porton.
Doch in kurzer Entfernung,Ma a distanza molto breve,
ich sah etwas, ich weiß nicht was,vidi un certo non so che
auf der Schneedecke auftauchen.affiorare tra la neve.
Ich sagte dann: "Lass uns sehen, was es ist".Dissi allor: "Vediam cos'è".
Es waren Lumpen. Ich räumte sie beiseite.Eran cenci. Io li rimossi.
Ich rief: "Zwei Füßchen".Diedi un grido: "Due piedin".
Zwei barfüßige, rote Füßchen,Due piedini scalzi e rossi,
dann die Hände, dann ein Gesicht.poi le mani, poi un visin.
Ein Schrei entfuhr mir,Un urlo mi sfuggì
als ich sah, dass es war,vedendo ch'era,
meine Kleine,la mia piccina,
meine Kapinera.la mia Capinera.
Vielleicht kam sie reumütig zu ihrem Nest zurück.Forse pentita al suo nido tornava.
Vielleicht rief sie hierher, dass ich sie aufmache,Forse quaggiù, che le aprissi invocava,
während der Schnee fiel, fiel,mentre la neve saliva, saliva,
und sie starb.e lei moriva.



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